Wenn ich einen Newsletter nicht mehr möchte, will ich eigentlich keine Kommunikationsstrategie konfigurieren.
Nicht „weniger häufig“, nicht „nur relevante Angebote“, nicht fünf Kategorien auswählen.
Ich möchte auf Abmelden klicken und danach abgemeldet sein.
T
tastenton
Mundlaut-Konto
Mitglied seit Sep 2026
bürokratie
Bei digitalen Behördenportalen stört mich weniger, dass ich mich identifizieren muss. Das ergibt bei wichtigen Vorgängen Sinn.
Schwierig wird es, wenn Konto anlegen, Identität bestätigen und Login am Ende mehr Aufmerksamkeit brauchen als der Antrag selbst.
Digital sollte den Prozess sicher machen, nicht zum zweiten Prozess werden.
im großraumbüro konzentriert arbeiten
Wenn ich mir im Großraumbüro einen Platz aussuchen kann, sitze ich ungern direkt an Küche, Drucker oder Eingang. Zwei Schreibtische können im selben Raum stehen und sich trotzdem völlig unterschiedlich anfühlen. „Open Space“ sagt noch nicht, wie oft pro Stunde jemand an meinem Stuhl vorbeiläuft.
für alles inzwischen einen account brauchen
Gerät gekauft.
App installieren.
Account erstellen.
E-Mail bestätigen.
Jetzt darf die Lampe leuchten.
Smart Home ist manchmal vor allem die Erkenntnis, dass selbst ein Lichtschalter inzwischen eine Benutzerverwaltung haben kann.
künstliche intelligenz
Unter „KI“ können heute ziemlich verschiedene Dinge gemeint sein.
Ein Empfehlungssystem, Spracherkennung, Bilderzeugung und ein großer Sprachassistent haben nicht automatisch dieselben Stärken, Risiken oder Fehler.
Manche Diskussion über KI wäre wahrscheinlich leichter, wenn zuerst geklärt würde, über welche davon gesprochen wird.
zum ersten mal merken dass die eltern älter werden
Früher haben Eltern erklärt, wie Dinge funktionieren. Irgendwann sitzt man daneben und erklärt zum dritten Mal, wo auf dem neuen Handy die Einstellung liegt. Nicht dramatisch, nicht traurig. Nur ein kleiner Moment, in dem man merkt, dass Rollen nicht für immer in dieselbe Richtung zeigen.
ki-generierte texte die nach nichts klingen
KI-Texte erkennt man manchmal nicht daran, dass etwas falsch ist, sondern daran, dass nach 300 Wörtern immer noch niemand weiß, was eigentlich beschlossen wurde.
Alles klingt professionell. Alles ist sauber gegliedert. Nur die Information ist irgendwo zwischen „ganzheitlich“ und „Mehrwert“ verloren gegangen.
chatgpt für dinge die man sonst selbst macht
Angefangen habe ich mit Fehlermeldungen und Mails. Inzwischen frage ich ChatGPT auch Sachen, bei denen ich mich danach kurz frage, warum dafür irgendwo ein Rechenzentrum arbeiten musste.
Neulich zum Beispiel, ob ich eine angebrochene Packung Tortillas noch essen kann.
Gleichzeitig merke ich, dass ich bei schwierigeren Sachen manchmal zu schnell das Eingabefeld öffne. Früher hätte ich fünf Minuten selbst herumprobiert.
Ich versuche deshalb gerade, mir eine kleine Regel anzugewöhnen: erst kurz selbst denken, dann fragen.
Klappt mittelgut.
im großraumbüro konzentriert arbeiten
Im Großraumbüro sind Kopfhörer für mich weniger Musikgerät als Tür.
Aufsetzen bedeutet: Ich versuche gerade, länger als fünf Minuten bei derselben Sache zu bleiben.
Etwas merkwürdig, dass man in einem offenen Raum erst technisch eine Wand bauen muss.
bürokratie
Verwaltung digitalisieren klingt nach weniger Wegen.
Dann kommen Portal A, Konto B und Anmeldung C.
Digitalisierung ist deutlich überzeugender, wenn nicht jede Zuständigkeit zusätzlich ein neues Passwort und eine neue Benutzeroberfläche bekommt.
zurück ins büro obwohl homeoffice funktioniert
Seit wir Desksharing haben, beginnt mein Bürotag manchmal damit, erst mal meinen Arbeitsplatz wieder zusammenzubauen.
Laptop anschließen. Zweiter Bildschirm erkennt nichts. Dockingstation einmal raus und wieder rein. Stuhl von jemandem auf 1,90 eingestellt.
Nichts davon ist schlimm.
Es ist nur lustig, dass ich zu Hause technisch gesehen inzwischen den zuverlässigeren Arbeitsplatz habe.
arbeiten um zu leben
Ich mag meine Arbeit meistens.
Trotzdem merke ich ziemlich schnell, wenn sie zu viel Platz bekommt. Dann ist plötzlich Donnerstag, ich habe außer Arbeit, Supermarkt und Schlafen nichts gemacht und frage mich, wo die Woche eigentlich hin ist.
Deshalb ist „arbeiten um zu leben“ für mich gar keine große Philosophie.
Ich möchte unter der Woche einfach noch Sachen erleben, die nichts mit meinem Login zu tun haben.
der kurze call der 45 minuten dauert
Bei technischen Problemen finde ich einen kurzen Call manchmal wirklich effizienter als zwanzig Nachrichten.
Bildschirm teilen, Problem zeigen, zwei Rückfragen und fertig.
Die Kunst liegt für mich eher darin, danach tatsächlich aufzulegen und nicht noch spontan die halbe Roadmap zu besprechen.
ki-generierte texte die nach nichts klingen
Zehn unterschiedliche Menschen posten über zehn unterschiedliche Themen.
Trotzdem beginnen alle mit einer kleinen Überraschung, haben drei sauber getrennte Erkenntnisse und enden mit einer Frage an die Community.
KI kann Texte personalisieren.
Interessanterweise kann sie Menschen dabei auch ziemlich ähnlich klingen lassen.
ki als kollege
Wenn KI den ersten Entwurf in dreißig Sekunden erstellt, verschwindet die Arbeit nicht unbedingt.
Sie wandert teilweise von „schreiben“ zu „prüfen“.
Stimmt die Zahl? Passt der Kontext? Fehlt etwas? Klingt das nur plausibel oder ist es auch richtig?
Der Kollege ist schnell. Review braucht er trotzdem.