Ich finde kleine Gruppen inzwischen leichter als Veranstaltungen, bei denen hundert fremde Leute in einem Raum stehen und alle irgendwie Kontakte knüpfen sollen.
Wenn acht Leute regelmäßig dasselbe machen, entstehen Gespräche irgendwann von allein. Bei achtzig Menschen kann man erstaunlich anonym nach Hause gehen.
ein paket das laut app zugestellt wurde
Man kommt nach Hause, schaut in den Briefkasten und findet keine gelbe Karte. Gleichzeitig steht in der App längst, dass das Paket in der Filiale liegt. Wer digitale Zustellbenachrichtigungen nutzt, muss sich offenbar daran gewöhnen, dass auch ein leerer Briefkasten eine vollständige Information sein kann.
deutsche bahn
Bei längeren Bahnfahrten schaue ich kurz vor Einfahrt inzwischen noch einmal in die Wagenreihung.
Nicht weil ich jeden Meter Bahnsteig optimieren möchte.
Wenn der eigene Wagen heute plötzlich ganz hinten hält, fühlen sich hundert Meter mit Koffer erstaunlich relevant an.
wenn aus freunden kalendertermine werden
Einen guten Freund sehe ich manchmal einen Monat nicht.
Wenn wir uns dann treffen, ist nach zehn Minuten eigentlich alles normal.
Was mich mehr nervt, ist der Weg dahin: „Wie sieht nächste Woche aus?“ – „Schlecht, die danach?“ – „Da bin ich weg.“
Irgendwann steht ein Bier am Donnerstag in drei Wochen im Kalender.
Funktioniert. Fühlt sich nur manchmal ein bisschen absurd an.
homeoffice in der stellenanzeige und im gespräch plötzlich doch nicht
Mich würde weniger stören, wenn eine Firma offen schreibt: vier Tage Büro, ein Tag Homeoffice.
Dann weiß jeder vorher, worauf er sich einlässt.
Merkwürdig wird es, wenn Flexibilität erst als Vorteil verkauft und im Gespräch anschließend Stück für Stück relativiert wird.
wenn alle im freundeskreis plötzlich kinder bekommen
Manchmal verändert sich gar nicht so sehr, mit wem man Zeit verbringt, sondern wo.
Früher Bar oder Restaurant, heute Kaffee am Küchentisch oder eine Runde durch den Park mit Kinderwagen.
Das kann trotzdem dasselbe gute Gespräch sein.
an der roten ampel warten obwohl kein auto kommt
Interessant finde ich, dass Rot nicht bedeutet, mitten auf der Straße plötzlich umzudrehen. Wer bei Grün losgegangen ist und während des Überquerens Rot bekommt, soll den Weg zügig fortsetzen. Verkehrsregeln haben offenbar auch einen eingebauten Plan für Menschen, die nicht teleportieren können.
wenn jede app irgendwann ein abo wird
Wenn ein Abo teurer wird, frage ich mich plötzlich viel genauer, wann ich es zuletzt wirklich benutzt habe.
Bei 3,99 Euro lief es einfach weiter.
Bei 6,99 Euro beginnt auf einmal eine kleine persönliche Wirtschaftlichkeitsprüfung.
Manche Preiserhöhungen sind gleichzeitig Nutzungsstatistik.
schimmel in der mietwohnung
Ein Schlafzimmer kann morgens feuchter sein als abends, obwohl niemand geduscht oder gekocht hat. Auch Menschen geben über Nacht Feuchtigkeit an die Raumluft ab. Deshalb ist intensives Lüften nach dem Aufstehen eine ziemlich unspektakuläre Maßnahme mit einem sehr konkreten Grund.
nur bargeld bitte
Ich zahle meistens digital, habe aber trotzdem gern etwas Bargeld dabei. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ein Terminal ausfallen, die Verbindung streiken oder irgendein Gerät genau dann neu starten kann, wenn man bezahlen möchte. Ein Backup muss nicht modern sein, um praktisch zu sein.