„Um drei am Schwimmbad.“
Das war der komplette Plan.
Kein Live-Standort, kein „bin noch im Bus“, kein „welcher Eingang?“.
Man musste entweder ungefähr pünktlich sein oder ziemlich lange darüber nachdenken, ob die andere Person überhaupt noch kommt.
Foto gemacht.
Fertig.
Kein direktes Kontrollieren, kein zweites Bild zur Sicherheit, kein Löschen.
Ob jemand die Augen geschlossen hatte, erfuhr man später.
Fotografie hatte früher stellenweise erstaunlich viel Vertrauen.
Einen Freund anzurufen bedeutete früher manchmal, zuerst ein kleines Gespräch mit seinen Eltern zu führen.
„Hallo, ist der Felix da?“
Dass beim Anruf bei einem Freund zunächst seine Mutter ans Telefon geht, wirkt heute fast wie eine andere Kommunikationsära.
Ich habe als Kind vor dem Radio gewartet, um einen bestimmten Song auf Kassette aufzunehmen. Dann begann er endlich und der Moderator redete noch zwei Sekunden über das Intro. Heute könnte ich denselben Song in wenigen Sekunden suchen. Damals war Geduld offenbar Teil des Musikformats.
Bei einem Freund vorbeigehen, klingeln und erst an der Haustür herausfinden, ob er überhaupt Zeit hat.
Keine Nachricht vorher, kein Kalender, kein „bist du spontan?“.
Wenn niemand da war, ging man eben wieder nach Hause oder zum nächsten Freund.
Eigene Festnetznummer.
Oma.
Bester Freund.
Zwei weitere Freunde.
Heute kenne ich ungefähr meine eigene Handynummer und vertraue beim Rest komplett darauf, dass mein Telefon nicht plötzlich alles vergisst.
Bei einem Freund anrufen bedeutete einmal: Festnetznummer wählen, hoffen dass jemand da ist und möglicherweise zuerst mit den Eltern sprechen. „Hallo Frau Müller, ist Jonas da?“ war praktisch die analoge Version einer Kontaktanfrage – nur mit deutlich mehr sozialem Druck.
Eine Folge verpasst bedeutete tatsächlich: Folge verpasst.
Kein Zurückspulen, kein „morgen in der Mediathek“, kein kompletter Staffelordner.
Manchmal wusste die halbe Schulklasse am nächsten Morgen mehr über eine Serie als man selbst. Dann musste man offenbar damit leben.
Ein Computer im Haus.
Alle benutzen denselben.
Browser, Drucker, Spiele, Hausaufgaben.
Und wenn jemand davor sitzt, ist der Computer gerade besetzt.
„Mein Gerät“ war einmal keine Voraussetzung dafür, online zu sein.
Für ein Referat konnte die Recherche einmal bedeuten, dass das richtige Buch zu Hause oder in der Bibliothek stehen musste.
Wenn auf den verfügbaren sechs Seiten nicht genug zum Thema stand, war die Antwort nicht „noch zwanzig Tabs öffnen“.
Manchmal war die Information für heute einfach zu Ende.
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