Ich finde das Kennenlernen gar nicht mal am schwierigsten. Man trifft auf der Arbeit, beim Sport oder über andere Leute ständig jemanden, mit dem man sich gut versteht.
Schwierig ist das zweite, dritte und vierte Treffen.
Früher hat Schule oder Uni das automatisch erledigt. Man saß nächste Woche wieder nebeneinander. Heute hat jeder Arbeit, Partner, alte Freunde, Termine, vielleicht Kinder, und plötzlich muss man aus „war nett gestern“ aktiv einen Dienstag in drei Wochen machen.
Freundschaften nach 30 entstehen für mich deshalb weniger spontan. Man muss ein bisschen nachhelfen, bis es irgendwann wieder spontan wird.
Leute über Freunde kennenzulernen hat einen ziemlich unfairen Vorteil: Niemand muss komplett bei null anfangen.
Irgendwer weiß schon, warum beide da sind, und im schlimmsten Fall gibt es wenigstens eine gemeinsame Person, über die man die ersten fünf Minuten reden kann.
Ich habe einen meiner mittlerweile besten Freunde mit 32 beim Sport kennengelernt.
Der unspektakuläre Teil: Wir haben uns dort ein paarmal gut unterhalten.
Der schwierigere Teil: Irgendwann musste einer von uns tatsächlich sagen „Wollen wir mal außerhalb hiervon was trinken?“
Das fühlte sich erstaunlich ähnlich an wie jemanden nach einem Date zu fragen.
War natürlich komplett harmlos. Aber ich glaube, genau an dieser kleinen Schwelle sterben viele mögliche Freundschaften.
Ich finde kleine Gruppen inzwischen leichter als Veranstaltungen, bei denen hundert fremde Leute in einem Raum stehen und alle irgendwie Kontakte knüpfen sollen.
Wenn acht Leute regelmäßig dasselbe machen, entstehen Gespräche irgendwann von allein. Bei achtzig Menschen kann man erstaunlich anonym nach Hause gehen.