Bei einem Kaffee für 4,50 Euro denke ich beim Trinkgeld ehrlich gesagt nicht in Prozent.
Ich denke eher: Mach fünf.
Das Kartenterminal möchte daraus manchmal erst eine kleine Prozentrechnung machen. Digitaler bezahlt, mathematischer geworden.
Wenn ein Terminal direkt 15, 20 und 25 Prozent anbietet, wird aus einer neutralen Frage schnell auch ein Referenzpunkt. Selbst wer am Ende weniger gibt, vergleicht die eigene Entscheidung plötzlich mit diesen Zahlen. Gestaltung ist beim Bezahlen eben nie ganz unsichtbar.
Zehn Prozent auf 25 Euro und zehn Prozent auf 180 Euro folgen derselben einfachen Regel. Ob sich der Serviceaufwand ebenfalls versiebenfacht hat, ist eine andere Frage. Prozentrechnung ist praktisch, aber nicht automatisch die einzig sinnvolle Definition von angemessenem Trinkgeld.
Vier Personen möchten getrennt zahlen.
Vier Rechnungsanteile.
Viermal Karte.
Viermal Trinkgeldfrage.
Aus „wir teilen einfach“ wird am Terminal manchmal ein kleines Kassensystem-Projekt.
Ein Terminal kann vier Möglichkeiten anzeigen und trotzdem eine davon deutlich größer, farbiger oder bereits ausgewählt darstellen. Formal existiert dann weiterhin freie Wahl. Gestaltung entscheidet nur ziemlich stark mit, welche Wahl sich wie der Standard anfühlt.
Der nervige Teil am Trinkgeldterminal kommt vermutlich nicht immer von der Person, die es einem hinhält.
Deshalb wäre es auch etwas schief, aus Protest gegen das Interface automatisch dem Service nichts zu geben.
Schlechtes Design und schlechter Service sind zwei verschiedene Dinge.
Bestellung am Display aufgegeben.
Getränk selbst abgeholt.
Tasse danach selbst zurückgebracht.
Kartenterminal: Trinkgeld?
Irgendwo fehlt noch die Frage, wie der eigene Stundenlohn ausgezahlt werden soll.
Wenn ich für vier Leute 120 Euro plus Trinkgeld vorstrecke und danach jeder einfach exakt ein Viertel der Rechnung überweist, habe ich das Trinkgeld plötzlich allein bezahlt. Bei Gruppenrechnungen gehört für mich deshalb auch die kleine freiwillige Summe in die große freiwillige Mathematik.
Bestellung aufgegeben.
Noch nichts bekommen.
Terminal:
15 Prozent Trinkgeld?
Der Service hat offenbar schon eine Leistungsprognose abgegeben.
Privat reicht beim Trinkgeld meistens die eigene Entscheidung. Bei einem Geschäftsessen wird plötzlich auch interessant, ob der Betrag auf dem Beleg nachvollziehbar ausgewiesen ist. Dieselben fünf Euro können damit je nach Kontext von einer kleinen Geste zu einem Buchhaltungsdetail werden.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.