Bei einem Job mit deutlich längerem Arbeitsweg würde ich inzwischen nicht nur Benzin oder Ticket vom höheren Gehalt abziehen.
Auch die zusätzliche Zeit gehört für mich irgendwie in die Rechnung.
Mehr brutto kann immer noch klar besser sein. Aber zwei Stunden täglich sind eben ebenfalls ein Preis, nur ohne Eurozeichen.
Eine Stunde im direkten Zug kann Lesen, Musik oder einfach Sitzen sein.
Eine Stunde mit Bus, Regionalbahn, zehn Minuten Umstieg und noch einem Bus ist eine andere Stunde.
Bei Arbeitswegen zählt nicht nur die Dauer. Auch die Zahl der Stellen, an denen etwas schiefgehen kann, macht einen Unterschied.
Beim langen Pendeln verschwinden nicht nur zwei Stunden vom Tag.
Auch die Dinge danach werden schwieriger: Sportkurs um 18 Uhr, spontan jemanden treffen, noch einkaufen, einen Termin wahrnehmen.
Eine Stunde Heimweg kann dafür sorgen, dass ein normaler Arbeitstag sich schon wie der komplette Tagesplan anfühlt.
60 Minuten Arbeitsweg sind planbarer, wenn sie fast immer 55 bis 65 Minuten dauern. Wenn dieselbe Strecke regelmäßig zwischen 45 und 100 Minuten schwankt, braucht der Kalender zusätzlich Sicherheitsabstand. Beim Pendeln kostet nicht nur die Länge Zeit, sondern auch ihre Unberechenbarkeit.
Eine Stunde pro Strecke kann bei fünf Präsenztagen die ganze Woche prägen.
Bei zwei festen Bürotagen kann dieselbe Entfernung deutlich anders aussehen.
Deshalb sagt „60 Minuten Arbeitsweg“ allein noch erstaunlich wenig, solange nicht klar ist, wie oft dieser Weg tatsächlich gefahren wird.
Zwei Stunden Arbeitsweg am Tag klingen erst mal nach einer Stunde hin und einer zurück.
Bei fünf Bürotagen sind es zehn Stunden pro Woche.
Nach vier Wochen ungefähr vierzig.
Der Arbeitsweg steht nicht im Arbeitsvertrag. Im Kalender nimmt er trotzdem fast eine zusätzliche Arbeitswoche ein.
Eine Stunde im direkten Zug kann Lesen, Musik oder sogar etwas Arbeit bedeuten. Eine Stunde selbst Auto fahren ist eine Stunde Aufmerksamkeit am Steuer. Auf der Uhr steht dieselbe Pendelzeit. Im Alltag kann sie sich trotzdem sehr unterschiedlich verbraucht anfühlen.
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