Ich würde Weihnachten ungern mit der Stoppuhr fair machen. Vier Stunden bei meiner Familie und vier Stunden bei der anderen können mathematisch perfekt und praktisch ziemlich stressig sein. Vielleicht darf ein Jahr mehr hier und das nächste mehr dort stattfinden, solange sich auf Dauer niemand selbstverständlich als zweite Wahl fühlt.
A
abendbrot
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niemals ein eigenes haus besitzen
Mit Kindern können 140 Quadratmeter plötzlich praktisch wirken.
Zwanzig Jahre später stehen vielleicht drei Zimmer meistens leer.
Eine Mietwohnung lässt sich leichter an eine neue Lebensphase anpassen. Ein Haus passt dafür oft besonders gut zu genau einer.
eine sitzplatzreservierung die nichts reserviert
Einmal extra Fensterplatz reserviert.
Zug geändert, Reservierung weg.
Die paar Euro waren später nicht das, was mich genervt hat.
Ich hatte mich einfach schon mental auf diesen Fensterplatz eingerichtet.
Man sollte nie zu früh glücklich über Sitzplatz 42A werden.
wenn alle im freundeskreis plötzlich kinder bekommen
Wenn jemand ein Kind bekommt, gibt es plötzlich sehr viel Neues, nach dem man fragen kann.
Irgendwann tut vielleicht auch die alte Frage wieder gut: Wie geht es eigentlich dir?
Eltern werden schließlich nicht zu Nebenfiguren im Leben ihres Kindes. Sie haben nur vorübergehend sehr wenig Bildschirmzeit im eigenen Film.
briefe für dinge die auch eine email sein könnten
Ich hatte mal einen Brief im Kasten mit der Bitte, eine E-Mail-Adresse mitzuteilen, damit die weitere Kommunikation per E-Mail erfolgen kann.
Fand ich eigentlich fair.
Nur stand meine E-Mail-Adresse auf dem Antrag, auf den sich der Brief bezog.
Habe sie dann noch einmal per E-Mail geschickt.
Seitdem denke ich gelegentlich an diesen kleinen perfekten Kreis.
schimmel in der mietwohnung
In einer kleinen Wohnung kommen an einem normalen Abend erstaunlich viele Liter Alltag zusammen.
Duschen, kochen, nasse Wäsche aufhängen.
Man sieht davon hauptsächlich ein bisschen beschlagene Scheibe. Die Feuchtigkeit muss trotzdem irgendwohin.
mit 25 noch bei den eltern wohnen
Ich bin mit 25 für ein paar Monate wieder bei meinen Eltern eingezogen, weil zwischen zwei Wohnungen eine Lücke war.
Am Anfang dachte ich, das wird bestimmt komisch.
War es teilweise auch. Meine Mutter hat am zweiten Abend gefragt, ob ich ungefähr sagen kann, wann ich nach Hause komme. Eine Frage, die seit Jahren niemand mehr gestellt hatte.
Andererseits saßen wir plötzlich wieder öfter zusammen beim Abendessen und ich habe meinen Vater wahrscheinlich in diesen drei Monaten mehr gesehen als in den zwei Jahren davor.
Dauerhaft wollte ich trotzdem wieder raus.
Beides kann gleichzeitig schön sein.
dinge die man erst mit 30 versteht
Mit 30 können zwei gleichaltrige Menschen komplett unterschiedliche Leben führen.
Einer hat zwei Kinder und renoviert ein Haus. Der andere schreibt seine Masterarbeit und wohnt in einer WG. Ein dritter lebt allein, verdient gut und weiß trotzdem nicht, was er in fünf Jahren machen will.
Alter ist überraschend schlecht darin, Lebensläufe zu synchronisieren.
weihnachten zwischen zwei familien
Ich verstehe inzwischen gut, warum Paare irgendwann sagen: Heiligabend bleibt bei uns zu Hause.
Nicht weil die Eltern plötzlich unwichtig sind.
Irgendwann möchte man vielleicht auch eigene Traditionen haben, statt jedes Jahr nur zwei bereits bestehende Weihnachtspläne möglichst fair zusammenzusetzen.
die erste nacht in einer neuen wohnung
Mein Lieblingsmoment nach einem Umzug ist nicht das letzte ausgepackte Möbelstück, sondern der erste normale Einkauf.
Kaffee, Brot, Milch, Zahnpasta, irgendwas fürs Abendessen.
Plötzlich stehen im Kühlschrank nicht mehr nur Getränke vom Umzugshelfer und die Wohnung beginnt ein bisschen wie Alltag auszusehen.
sonntagabend mit leerem kühlschrank
Ich finde „Frühstück zum Abendessen“ sonntagabends völlig legitim.
Brot, Ei, Käse, vielleicht noch irgendein Joghurt. Das ist objektiv kaum weniger Abendessen als viele Sachen, die man sonst extra kochen würde.
Man darf es nur nicht Kühlschrankreste nennen.
niemals ein eigenes haus besitzen
Meine Eltern reden über ihr Haus ungefähr so:
„Ist natürlich schön, etwas Eigenes zu haben.“
Danach folgen meistens Dach, Heizung, Fenster oder irgendetwas im Keller.
Ich glaube, Eigentum bedeutet nicht nur Sicherheit.
Man besitzt irgendwann auch sehr viele Dinge, die kaputtgehen können.