Der praktische Vorteil am Alleinsein ist manchmal ziemlich banal:
Man kann Samstagmorgen denken „ich fahre ans Meer“ und muss keine fünf Kalender vergleichen.
Gemeinschaft ist schön. Spontaneität zu zweit braucht nur leider meistens zwei spontane Menschen.
Allein sein wird schnell zu einer Aufgabe gemacht.
Buch lesen, Sport machen, Wohnung aufräumen, etwas lernen, wenigstens eine Serie schauen.
Man darf offenbar auch einfach Tee machen, eine Stunde am Fenster sitzen und nichts Besonderes aus dem Abend herausholen.
Gesellschaft ist nicht die einzige Sache, von der man manchmal frei haben darf.
Nach einer vollen Woche freue ich mich manchmal richtig auf einen Samstagabend ohne Plan.
Essen machen, Musik an, Handy irgendwo hinlegen. Mehr brauche ich dann nicht.
Früher hätte ich wahrscheinlich noch versucht, spontan irgendwen zu treffen, weil ein freier Abend sich irgendwie „ungenutzt“ angefühlt hat.
Das Gefühl habe ich nicht mehr.
Ich lasse inzwischen manchmal bewusst einen Abend frei und behandle ihn nicht als Lücke, die noch gefüllt werden sollte. Wenn die Woche schon voll genug ist, kann „nichts geplant“ tatsächlich der Plan sein.
Allein wohnen bedeutet nicht automatisch, jeden Abend allein zu sein.
Arbeit, Freunde, Sport, Familie – und danach eine Wohnung, in der niemand mehr etwas möchte.
Für manche Menschen ist die leere Wohnung am Ende des Tages weniger Einsamkeit als Ruhe.
Nach mehreren Tagen voller Arbeit, Gespräche und Treffen freue ich mich manchmal auf einen Abend, an dem niemand etwas von mir wissen möchte. Das fühlt sich für mich nicht wie soziale Leere an, sondern eher wie Akku laden.
Ich habe irgendwann aufgehört, bei Dingen wie Kino oder Café automatisch zuerst zu überlegen, wen ich fragen könnte.
Wenn jemand mitkommen möchte: schön.
Wenn nicht, kann ich den Film trotzdem sehen oder den Kaffee trotzdem trinken.
Allein hinzugehen fühlt sich weniger allein an, sobald es nicht mehr wie Plan B behandelt wird.
Einsamkeit lässt sich erstaunlich schlecht an der Zahl der Menschen im Raum messen.
Man kann einen Abend allein verbringen und sich völlig verbunden fühlen.
Oder mit zwölf Leuten an einem Tisch sitzen und merken, dass man mit niemandem wirklich reden möchte.
Im Museum dreißig Minuten vor einem Bild stehen oder nach zehn Minuten wieder gehen. Beim Spaziergang spontan abbiegen. Allein unterwegs zu sein hat manchmal weniger mit Einsamkeit als mit der seltenen Erfahrung zu tun, wirklich niemandes Tempo mitdenken zu müssen.
Acht Stunden allein können wunderbar sein, wenn man genau das wollte. Zwei Stunden können sich sehr lang anfühlen, wenn man eigentlich Nähe gesucht hätte. Die Uhr ist offenbar ein ziemlich schlechter Einsamkeitsmesser.
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