Wenn ich allein bin und wirklich kein Auto kommt, gehe ich manchmal bei Rot.
Wenn ein Kind danebensteht, warte ich plötzlich.
Offenbar hängt meine persönliche Straßenverkehrsmoral auch vom Publikum ab.
Als Fußgänger kann eine rote Ampel absurd wirken, wenn direkt vor einem minutenlang keine sichtbare Bewegung stattfindet.
Die Anlage regelt aber mehr als den zwei Meter breiten Straßenabschnitt, den man gerade überqueren möchte.
Das macht das Warten nicht kürzer. Es erklärt nur, warum die eigene Perspektive nicht unbedingt der komplette Verkehrsplan ist.
Rote Ampel.
Handy raus.
Nachricht lesen.
Hochschauen.
Wieder rot.
Die Ampel war zwischenzeitlich offenbar ohne mich geöffnet.
Fünf Menschen stehen an einer roten Fußgängerampel.
Einer schaut links, schaut rechts und geht.
Plötzlich überprüfen auch die anderen vier noch einmal sehr interessiert die Straße.
Ampelphasen haben offenbar eine kleine soziale Komponente.
Erste Fahrbahn bei Grün geschafft, auf der Mittelinsel angekommen, zweite Ampel rot. Optisch wollte man nur einmal über die Straße. Verkehrstechnisch hat man offenbar gerade einen Anschluss verpasst.
Interessant finde ich, dass Rot nicht bedeutet, mitten auf der Straße plötzlich umzudrehen. Wer bei Grün losgegangen ist und während des Überquerens Rot bekommt, soll den Weg zügig fortsetzen. Verkehrsregeln haben offenbar auch einen eingebauten Plan für Menschen, die nicht teleportieren können.
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