Aus dem Zug springen.
Treppe hoch.
Gleis wechseln.
Anschluss erreicht.
Anzeige: +18 Minuten.
Schön, dass die sportliche Leistung wenigstens freiwillig war.
Fünf Minuten Umstiegszeit sind für mich keine fünf Minuten.
Das sind fünf Minuten minus aussteigen, Menschen auf der Treppe und die Frage, warum Gleis 7 eigentlich so weit von Gleis 8 entfernt sein kann.
Wenn ich den Bahnhof nicht kenne, buche ich sowas nicht mehr freiwillig.
Eine Verbindung zehn Minuten später anzukommen kann ziemlich attraktiv werden, wenn dafür aus fünf Minuten Umstieg fünfzehn werden.
Auf dem Papier ist die erste Verbindung schneller.
In der Praxis verbringt man bei ihr nur einen größeren Teil der Reise damit, die Uhr anzustarren.
Der Weg von Gleis 6 zu Gleis 8 dauert vielleicht zwei Minuten. Wenn gleichzeitig ein voller ICE Richtung dieselbe Treppe läuft, wird aus Entfernung plötzlich Durchsatz. Umsteigezeit wird an großen Bahnhöfen gelegentlich von Menschenmengen berechnet, nicht von Metern.
6 Minuten Umstieg.
Zug kommt 4 Minuten später.
Laut App weiterhin alles grün.
Schön, dass wenigstens einer von uns optimistisch bleibt.
Umstieg: fünf Minuten.
Anschluss: Gleis 4.
Durchsage: heute Gleis 12.
Sportangebot der Deutschen Bahn.
Wenn ein Direktzug zwanzig Minuten länger dauert als eine Verbindung mit fünf Minuten Umstieg, nehme ich inzwischen erstaunlich oft den Direktzug. Zwanzig Minuten planbare Reisezeit fühlen sich für mich günstiger an als zwanzig Minuten potenzielles Anschlussroulette.
Allein kann man bei fünf Minuten Umstieg notfalls schnell laufen. Mit mehreren Menschen, unterschiedlichen Koffern und der Frage, ob wirklich alle aus dem ersten Zug ausgestiegen sind, funktioniert dieselbe Verbindung anders. Eine Gruppenreise ist nur so umsteigefähig wie die Gruppe.
Fünf Minuten Umstieg reichen theoretisch zum nächsten Zug. Toilette, Wasser kaufen oder kurz etwas essen sind in dieser Rechnung nur leider keine vorgesehenen Nebenquests. Eine Reise kann funktionieren und trotzdem keinerlei Pause enthalten.
Fünf Minuten Umstieg beginnen manchmal mit zwei Minuten Fußweg innerhalb desselben Bahnsteigs. Wer ganz hinten aus Wagen 14 steigt und zur Unterführung am anderen Ende muss, verliert Zeit, bevor der eigentliche Gleiswechsel überhaupt angefangen hat.
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