„Bis zu 70.000 Euro“ kann sehr unterschiedlich aussehen.
70.000 fest sind etwas anderes als 55.000 Grundgehalt plus Bonus, der unter bestimmten Bedingungen erreichbar ist.
Eine Zahl wird nicht automatisch transparent, nur weil sie in der Anzeige steht.
Wenn ich erst Lebenslauf hochladen, Telefonnummer angeben und zehn Felder ausfüllen muss, bevor ich erfahre, dass das Gehaltsband deutlich unter meiner Vorstellung liegt, kommt die Transparenz für mich etwas spät. Gerade diese Information wäre ja hilfreich, bevor beide Seiten Zeit in den Prozess stecken.
„Berlin, München oder remote – 50.000 bis 70.000 Euro.“
Interessant wäre dann noch, ob derselbe Job an jedem Standort tatsächlich denselben Rahmen hat.
Eine Gehaltsspanne über mehrere Rollen oder Regionen kann formal konkret aussehen und praktisch trotzdem mehrere verschiedene Angebote zusammenwerfen.
Unternehmen: „Welche Gehaltsvorstellung haben Sie?“
Bewerber: „Welche Spanne ist für die Stelle vorgesehen?“
Unternehmen: „Nennen Sie gern zuerst Ihre Vorstellung.“
Interessantes Verhandlungsspiel, wenn nur eine Seite die Spielbreite kennt.
„Softwareentwickler“, „Projektmanager“ oder „Marketing Manager“ sagen über das tatsächliche Level manchmal erstaunlich wenig.
Ein realistisches Gehaltsband verrät deshalb nicht nur etwas über Geld. Es zeigt oft auch, ob die Firma unter demselben Titel einen Berufseinsteiger, jemanden mit fünf Jahren Erfahrung oder praktisch eine Teamleitung sucht.
60.000 Euro bei 40 Stunden und 60.000 Euro bei 35 Stunden sind dasselbe Jahresgehalt.
Sie sind trotzdem nicht ganz dasselbe Jobangebot.
Bei Gehaltsangaben wären die Wochenstunden deshalb eine ziemlich hilfreiche zweite Zahl.
Bei einer Spanne von 40.000 bis 90.000 Euro weiß ich am Ende fast genauso viel wie vorher.
Interessant wird die Angabe für mich erst, wenn halbwegs klar ist, für welches Erfahrungsniveau welcher Teil des Bands gedacht ist.
„Gesamtpaket bis 65.000 Euro“ beantwortet die Gehaltsfrage nur ungefähr.
Wie viel davon ist festes Gehalt?
Was davon Bonus, Zuschuss oder irgendein Vorteil mit Geldwert?
Eine größere Zahl ist nicht automatisch die transparentere Zahl.
Eine Gehaltsspanne kann einen kompletten Bewerbungsprozess verhindern, bevor er unnötig beginnt.
Wenn ein Unternehmen maximal 50.000 zahlen möchte und ein Bewerber unter 65.000 nicht wechseln würde, müssen dafür nicht erst Lebenslauf, Telefonat und zwei Termine stattfinden.
Wenn in einer Anzeige 50.000 bis 70.000 Euro steht, würde ich gern wissen, was jemanden tatsächlich in Richtung 70.000 bringt.
Zehn Jahre Erfahrung? Bestimmte Verantwortung? Spezialwissen?
Ein Gehaltsband ist für mich deutlich informativer, wenn nicht nur die Grenzen, sondern auch ihre Logik halbwegs erkennbar ist.
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