Wenn mein Partner deutlich mehr verdienen würde und unbedingt einen Urlaub möchte, der außerhalb meines Budgets liegt, würde ich vorher klären wollen, was das bedeutet.
Ist der höhere Anteil eine Einladung?
Oder soll ich später irgendwie ausgleichen?
Großzügigkeit fühlt sich angenehmer an, wenn sie nicht mit unsichtbarer Rechnung kommt.
F
fernweh
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fünf minuten umstiegszeit
Bei einem knappen Anschluss merke ich, dass die letzten zwanzig Minuten im ersten Zug kaum noch Reisezeit sind.
Ich aktualisiere die App, rechne Verspätung gegen Umstieg und überlege schon, an welcher Tür ich aussteigen muss.
Fünf Minuten Umstieg können erstaunlich lange vorher anfangen.
der zettel im hausflur
Hausflurzettel faszinieren mich, weil offenbar niemand klingeln möchte, aber alle bereit sind, eine Nachricht für zwölf Wohnungen zu veröffentlichen.
Bei meinem alten Haus ging es einmal um Schuhe vor der Tür.
Ich hatte keine Schuhe draußen und habe den Zettel trotzdem dreimal gelesen.
Man will ja informiert bleiben.
briefe für dinge die auch eine email sein könnten
Ich musste einmal ein Formular online herunterladen, am Rechner ausfüllen und danach per Post zurückschicken.
Das Ausfüllen hat vielleicht fünf Minuten gedauert.
Danach habe ich länger nach einem Umschlag und einer Briefmarke gesucht als nach den eigentlichen Angaben im Formular.
Seitdem finde ich „digital verfügbar“ eine ziemlich großzügige Beschreibung.
deutschlandticket
Ich mag am Deutschlandticket, dass man damit auch längere Strecken einfach ausprobieren kann.
Man muss nur ehrlich dazu sagen: Drei Regionalzüge mit zwei Umstiegen sind nicht dasselbe wie ein ICE.
Das Ziel kann gleich sein. Der Reisetag ist ein anderer.
eine sitzplatzreservierung die nichts reserviert
Wenn ich eine Zugverbindung nachträglich ändere, würde ich inzwischen immer auch die Reservierung separat prüfen. Dass das Ticket jetzt für eine andere Verbindung passt, bedeutet nicht automatisch, dass mein Sitzplatz dieselbe Reiseplanung mitgemacht hat. Zwei Buchungen können erstaunlich ähnlich aussehen und trotzdem unabhängig voneinander leben.
niemals ein eigenes haus besitzen
Zwischen „eigenes Haus mit Garten“ und „für immer nur mieten“ liegt ziemlich viel. Eine Eigentumswohnung, später etwas Kleineres oder bewusst dauerhaft zur Miete wohnen sind unterschiedliche Modelle. Das klassische Einfamilienhaus ist nur eine mögliche Version von Wohneigentum, nicht die Definition davon.
thomas müller
Thomas Müller in einem anderen Trikot sieht für mich immer noch ein bisschen aus wie ein sehr aufwendiger Fotomontage-Witz. Nach rund 25 Jahren beim FC Bayern ging er 2025 nach Vancouver. Inzwischen gehört genau dieses ungewohnte Bild tatsächlich zu seiner Karriere.
urlaub in deutschland statt fliegen
An Deutschlandurlaub mag ich, dass ich bei manchen Reisen einfach in den Zug oder ins Auto steige und losfahre. Kein Flüssigkeitsbeutel, kein Boarding, kein Gepäckband. Die Strecke kann trotzdem lang sein, aber der Reisetag besteht aus weniger einzelnen kleinen Prüfungen.
fünf streamingdienste und trotzdem nichts zum schauen
„Der Film ist verfügbar“ beantwortet nicht für jeden dieselbe Frage.
Originalton vorhanden?
Untertitel vollständig?
Welche Bildqualität?
Für manche Menschen ist der Titel allein nur die Hälfte des Streamingangebots.
eine mietwohnung ohne küche
Beim letzten Umzug hatte ich drei Besichtigungen an einem Wochenende.
Wohnung eins: keine Küche.
Wohnung zwei: Küche für 3.500 Euro vom Vormieter übernehmen.
Wohnung drei: Küche vorhanden, aber der Kühlschrank ging nur zu, wenn man die Schublade daneben vorher geschlossen hat.
Am Sonntagabend hatte ich kurz das Gefühl, meine Wohnungssuche dreht sich eigentlich hauptsächlich um Küchen.
weihnachten zwischen zwei familien
Zwei Familien an Weihnachten zu besuchen klingt einfach, solange beide zwanzig Minuten entfernt wohnen.
Mit vier Stunden Fahrt dazwischen wird aus „wir sehen beide“ schnell Anreise, Übernachtung, nächster Zug und Rückfahrt.
Irgendwann verbringt man einen erstaunlich großen Teil der Feiertage damit, zwischen den Feiertagen unterwegs zu sein.
kleine dinge die den alltag sofort besser machen
Zweites Ladekabel, kleine Zahnpasta, Ersatzkabel, vielleicht Ohrstöpsel dauerhaft in der Reisetasche lassen. Dann besteht Packen weniger daraus, dieselben fünf Kleinigkeiten jedes Mal aus der Wohnung zusammenzusuchen. Komfort ist manchmal einfach ein Gegenstand, der schon am richtigen Ort wartet.
geschäfte die sonntags geschlossen sind
Wenn ich mit Besuchern unterwegs bin, die sonntags offene Supermärkte gewohnt sind, merkt man erst, wie wenig selbstverständlich die deutsche Regel international ist. „Wir kaufen das morgen“ klingt für mich normal. Für andere kann es die erste kulturelle Überraschung nach dem Frühstück sein.
wenn kollegen die einzigen neuen freunde werden
Ich finde Kollegen als Freunde eigentlich praktisch.
Man muss sich nicht erst kennenlernen, kennt denselben Alltag und hat meistens sofort ein Thema.
Das Problem merke ich erst abends beim Bier, wenn nach 40 Minuten immer noch über denselben Kunden gesprochen wird, über den man schon acht Stunden gesprochen hat.
Irgendwann brauche ich Menschen, denen ich eine Geschichte von der Arbeit erst erklären muss. Das ist manchmal ganz gesund.