Besonders konsequent ist ein Brief mit der Information, dass im Onlineportal eine neue Nachricht liegt.
Dann übernimmt Papier im Grunde die Aufgabe einer Push-Benachrichtigung.
Nur mit Briefmarke und zwei Tagen Verzögerung.
Ich musste einmal ein Formular online herunterladen, am Rechner ausfüllen und danach per Post zurückschicken.
Das Ausfüllen hat vielleicht fünf Minuten gedauert.
Danach habe ich länger nach einem Umschlag und einer Briefmarke gesucht als nach den eigentlichen Angaben im Formular.
Seitdem finde ich „digital verfügbar“ eine ziemlich großzügige Beschreibung.
Ich mag Briefe bei wichtigen Sachen sogar.
Ein Vertrag, eine Kündigung, irgendetwas mit Frist: Papier landet bei mir auf dem Schreibtisch und bleibt da, bis ich es erledigt habe.
Eine Mail verschwindet zwischen Versandbestätigung, Newsletter und „Ihre Bestellung wurde verschickt“.
Nicht alles muss digital sein.
Nur bitte keine Terminbestätigung per Post für einen Termin, den ich online gebucht habe.
Onlinekonto erstellt.
E-Mail bestätigt.
Handynummer bestätigt.
Aktivierungscode kommt per Post.
Digitalisierung mit Lieferzeit.
Ich hatte mal einen Brief im Kasten mit der Bitte, eine E-Mail-Adresse mitzuteilen, damit die weitere Kommunikation per E-Mail erfolgen kann.
Fand ich eigentlich fair.
Nur stand meine E-Mail-Adresse auf dem Antrag, auf den sich der Brief bezog.
Habe sie dann noch einmal per E-Mail geschickt.
Seitdem denke ich gelegentlich an diesen kleinen perfekten Kreis.
Letztens kam ein Brief, dessen komplette Information ungefähr aus einem Satz bestand.
Umschlag auf. Zwei Seiten Papier. Geschäftszeichen, Datum, drei Absätze Einleitung.
Inhalt: Wir haben Ihre Unterlagen erhalten.
Einerseits schön zu wissen.
Andererseits hätte mein Postfach diese Nachricht auch ohne Briefmarke verkraftet.
Nach einem Umzug merkt man, wie viele Stellen die alte Adresse noch irgendwo gespeichert haben. Digital ist die Information in Sekunden geändert. Ein Brief kann währenddessen sehr konsequent zur Wohnung unterwegs sein, in der man nicht mehr wohnt.
Offizieller Umschlag im Briefkasten.
Kurz Puls.
Aufmachen.
„Ihre Änderung wurde übernommen.“
Danke.
Für drei Sekunden dachte ich, mein Leben hätte ein Aktenzeichen bekommen.
Online etwas geändert, direkt eine Bestätigung bekommen und drei Tage später denselben Vorgang noch einmal im Briefkasten finden.
Die Information war nicht falsch. Sie hatte nur eine deutlich längere Anreise.
Ein Brief, dessen wichtigste Information ein QR-Code zu einem Onlineportal ist, wirkt wie ein ziemlich aufwendiger Link.
Papier bedrucken, falten, verschicken, zustellen – damit das Handy am Ende eine Webseite öffnet.
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