Vor einem Beratungsgespräch, einer Wohnungsbesichtigung oder einem neuen Vertrag kann ChatGPT ganz brauchbar sein für die Frage:
„Was sollte ich hier eigentlich noch fragen?“
Die Antworten muss weiterhin die echte Gegenstelle liefern.
Aber eine vergessene Frage lässt sich vorher deutlich leichter ergänzen als auf dem Heimweg.
Zwölf unsortierte Stichpunkte.
Drei davon doppelt.
Zwei eigentlich Fragen.
Einer nur „später prüfen“.
Daraus eine brauchbare Checkliste zu machen ist keine spektakuläre KI-Anwendung. Genau deshalb ist sie ziemlich praktisch.
Beim Lernen finde ich es nützlich, aus meinen eigenen Notizen Fragen machen zu lassen.
Erklärung lesen fühlt sich schnell so an, als hätte man das Thema verstanden.
Eine konkrete Frage beantworten zu müssen zeigt deutlich schneller, welcher Teil nur vertraut aussah.
Eine Funktion implementieren ist die eine Hälfte.
Danach kommen die Fälle, an die beim ersten Entwurf niemand gedacht hat: leere Eingabe, doppelter Klick, kaputte Verbindung, seltsames Datum.
Für solche Edge-Case-Listen ist ChatGPT manchmal weniger Programmierer als erstaunlich ausdauernder QA-Kollege.
Für Fehlermeldungen ist ChatGPT bei mir irgendwo zwischen genial und sehr selbstbewusstem Kollegen angesiedelt.
Manchmal findet es in drei Minuten genau den Fehler, nach dem ich seit einer halben Stunde suche.
Manchmal erklärt es mir freundlich, ich solle in einem Menü auf einen Button klicken, den es überhaupt nicht gibt.
Dann diskutieren wir kurz darüber, wer von uns beiden gerade halluziniert.
Ich benutze ChatGPT am häufigsten dann, wenn mein Gehirn für die Aufgabe eigentlich noch reichen würde, aber keine Lust mehr hat.
„Mach diese Mail höflich, ohne dass sie klingt als würde ich mich entschuldigen.“
17:43 Uhr ist offenbar meine persönliche künstliche Intelligenz.
Version_final.docx.
Version_final_neu.docx.
Version_final_neu2_wirklich.docx.
Zwei Texte vergleichen und sich nur die inhaltlichen Unterschiede herausziehen lassen ist keine glamouröse KI-Anwendung.
Dafür löst sie ein sehr reales Problem moderner Dateinamen.
Für eine Packliste braucht niemand künstliche Intelligenz.
Man braucht allerdings auch keine besondere Freude daran, zum sechsten Mal selbst Zahnbürste, Ladekabel, Medikamente, Kopfhörer und Regenjacke aufzuschreiben.
Manche Automatisierung darf ruhig langweilig sein.
Angefangen habe ich mit Fehlermeldungen und Mails. Inzwischen frage ich ChatGPT auch Sachen, bei denen ich mich danach kurz frage, warum dafür irgendwo ein Rechenzentrum arbeiten musste.
Neulich zum Beispiel, ob ich eine angebrochene Packung Tortillas noch essen kann.
Gleichzeitig merke ich, dass ich bei schwierigeren Sachen manchmal zu schnell das Eingabefeld öffne. Früher hätte ich fünf Minuten selbst herumprobiert.
Ich versuche deshalb gerade, mir eine kleine Regel anzugewöhnen: erst kurz selbst denken, dann fragen.
Klappt mittelgut.
Manchmal ist die nützlichste ChatGPT-Antwort gar nicht die Antwort, sondern das Wort, nach dem man eigentlich hätte suchen müssen.
Ein Problem beschreiben können und den Fachbegriff nicht kennen ist bei Google ein Nachteil. Im Chat ist genau diese Beschreibung plötzlich genug.
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