Ich benutze ChatGPT inzwischen ziemlich viel, aber bei einer Sache hat es Google für mich überhaupt nicht ersetzt: Ich will manchmal einfach echte Menschen lesen.
Bei „Wie funktioniert X?“ reicht mir oft eine Erklärung.
Bei „Lohnt sich X?“, „Wie war das bei euch?“ oder irgendeinem komischen Alltagsproblem lande ich am Ende trotzdem bei Foren.
Vielleicht benutze ich KI für Antworten und Menschen für Erfahrungen.
Ich lasse mir von ChatGPT gern einen ersten Überblick geben. Das spart mir bei manchen Sachen wirklich Zeit.
Problematisch wird es bei mir erst, wenn die Antwort so plausibel klingt, dass ich vergesse, warum ich sie eigentlich überprüfen wollte.
Bei einer Formulierung für eine Mail ist mir das ziemlich egal. Letztens ging es aber um eine technische Einstellung, und nach zehn Minuten habe ich gemerkt, dass eine der beschriebenen Optionen gar nicht existiert.
Seitdem ist mein Verhältnis ungefähr: gern fragen, ungern blind glauben.
Ich benutze ChatGPT manchmal, wenn ich bei einer Entscheidung im Kreis denke.
Nicht unbedingt mit „Was soll ich machen?“, sondern eher: „Was spricht eigentlich gegen die Idee?“
Das hilft mir erstaunlich oft, weil plötzlich Argumente auf dem Bildschirm stehen, die vorher nur irgendwie im Kopf herumlagen.
Der Haken ist, dass ChatGPT meistens auch die Gegenseite ziemlich überzeugend formulieren kann.
Irgendwann muss man leider trotzdem selbst entscheiden.
Mein bisher nützlichster ChatGPT-Einsatz war nicht Programmieren und auch nichts besonders Zukunftsmäßiges.
Ich hatte einen Brief von einer Behörde vor mir, habe ihn zweimal gelesen und wusste danach immer noch nicht, was sie jetzt konkret von mir wollen.
Text reinkopiert, persönliche Daten vorher rausgenommen, gefragt: „Was muss ich hier eigentlich tun?“
Danach war der Brief nicht schöner, aber wenigstens kürzer in meinem Kopf.
Angefangen habe ich mit Fehlermeldungen und Mails. Inzwischen frage ich ChatGPT auch Sachen, bei denen ich mich danach kurz frage, warum dafür irgendwo ein Rechenzentrum arbeiten musste.
Neulich zum Beispiel, ob ich eine angebrochene Packung Tortillas noch essen kann.
Gleichzeitig merke ich, dass ich bei schwierigeren Sachen manchmal zu schnell das Eingabefeld öffne. Früher hätte ich fünf Minuten selbst herumprobiert.
Ich versuche deshalb gerade, mir eine kleine Regel anzugewöhnen: erst kurz selbst denken, dann fragen.
Klappt mittelgut.
Für Fehlermeldungen ist ChatGPT bei mir irgendwo zwischen genial und sehr selbstbewusstem Kollegen angesiedelt.
Manchmal findet es in drei Minuten genau den Fehler, nach dem ich seit einer halben Stunde suche.
Manchmal erklärt es mir freundlich, ich solle in einem Menü auf einen Button klicken, den es überhaupt nicht gibt.
Dann diskutieren wir kurz darüber, wer von uns beiden gerade halluziniert.
Ich frage das Ding inzwischen Sachen wie:
„Ich habe Reis, zwei Eier, eine halbe Paprika und keine Lust einkaufen zu gehen. Was jetzt?“
Das ist wahrscheinlich nicht die technologische Revolution, die alle gemeint haben, aber für mich bisher einer der zuverlässigeren Use Cases.
Ich benutze ChatGPT am häufigsten dann, wenn mein Gehirn für die Aufgabe eigentlich noch reichen würde, aber keine Lust mehr hat.
„Mach diese Mail höflich, ohne dass sie klingt als würde ich mich entschuldigen.“
17:43 Uhr ist offenbar meine persönliche künstliche Intelligenz.
Manchmal ist die nützlichste ChatGPT-Antwort gar nicht die Antwort, sondern das Wort, nach dem man eigentlich hätte suchen müssen.
Ein Problem beschreiben können und den Fachbegriff nicht kennen ist bei Google ein Nachteil. Im Chat ist genau diese Beschreibung plötzlich genug.
Ich finde ChatGPT erstaunlich brauchbar, um ein schwieriges Gespräch vorher einmal durchzuspielen.
Nicht damit es mir die perfekten Sätze schreibt, sondern damit jemand auf meine Antwort direkt eine unangenehme Rückfrage stellt. Beim zweiten Durchgang merkt man ziemlich schnell, welche Erklärung im eigenen Kopf besser klang als ausgesprochen.
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