Ich habe Tinder damals tatsächlich aus dem langweiligsten Grund gelöscht: Ich hatte jemanden kennengelernt.
Kein „endlich raus aus diesem toxischen System“, keine große Erkenntnis. Wir waren nach drei Dates irgendwann bei ihr auf dem Sofa und sie meinte: „Hast du die App eigentlich noch?“
Hatte ich.
Fünf Sekunden später nicht mehr.
Die Beziehung hat nicht für immer gehalten, aber die App war trotzdem fast zwei Jahre weg.
Bei mir war es kein einzelnes schlechtes Date.
Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich die App öffne wie Instagram: kurz im Bus, kurz beim Fernsehen, kurz bevor ich schlafen gehe. Nicht weil ich gerade wirklich jemanden kennenlernen wollte, sondern weil da halt etwas zum Wischen war.
Da wurde es für mich ziemlich sinnlos.
Wenn ich Menschen kennenlernen will, sollte wenigstens dieser Teil noch Absicht sein.
Mein Löschmoment war nach einem Date, das eigentlich ganz nett war.
Wir haben zwei Stunden geredet, danach geschrieben, dass wir uns wiedersehen wollen. Auf dem Heimweg habe ich trotzdem automatisch die App geöffnet und weitergeswiped.
Da dachte ich kurz: Was mache ich hier eigentlich?
Nicht weil man nach einem Date sofort exklusiv sein muss. Aber ich war nicht mal zehn Minuten allein mit meinen Gedanken, bevor ich wieder die nächste Person angeschaut habe.
App zu, ein paar Tage später gelöscht.
Mein Zyklus ist ungefähr:
Dating-App installieren. Zwei Wochen motiviert sein. Zwei Wochen nur noch halbherzig antworten. App löschen. Sechs Monate sehr zufrieden ohne App leben.
Dann sitzt man irgendwann sonntagabends auf dem Sofa und denkt: ach komm.
Wieder von vorne.
Ich habe sie nicht gelöscht, weil ich jemanden kennengelernt hatte. Ich habe sie gelöscht, weil ich nach zwanzig Minuten Swipen meistens schlechter gelaunt war als vorher.
Das war eigentlich Grund genug.
Bei mir kam der Punkt, als sich die Chats plötzlich wie kleine offene Aufgaben angefühlt haben.
Drei Leuten noch antworten. Bei einer Person schauen, wann man Zeit für ein Treffen hat. Einer anderen erklären, dass es doch nicht passt.
Eigentlich wollte ich jemanden kennenlernen und hatte stattdessen das Gefühl, meine Freizeit verwalten zu müssen.
Hab die App dann erst mal gelöscht. War direkt erstaunlich ruhig auf dem Handy.
Bei mir ist meistens Schluss, wenn ich zwar noch swipe, aber eigentlich gar keine Lust mehr habe, mit einem Match zu schreiben.
Dann sehe ich die Nachricht, denke „antworte ich später“ und mache die App fünf Minuten später trotzdem wieder auf.
Keine Ahnung, was ich in dem Moment noch suche.
Wenn Dating anfängt, sich so zu verhalten wie eine App, die ich aus Gewohnheit öffne, lösche ich sie meistens wieder.
Nach einer halben Stunde auf Dating-Apps werde ich irgendwann ziemlich kleinlich.
Ein Satz in der Bio klingt komisch. Drei Gruppenfotos. Wandern zu wichtig. Wandern zu unwichtig. Irgendwas findet sich immer.
Bei Menschen, die ich im echten Leben mochte, hätte ich viele dieser Dinge wahrscheinlich nicht mal bemerkt.
Deshalb habe ich die Apps eine Zeit lang gelöscht. Nicht weil ich glaube, dass sie grundsätzlich nichts bringen. Mir gefiel nur nicht besonders, wie ich dort über Menschen nachgedacht habe.
Dating-Apps haben erstaunlich viele Filter dafür, wen man kennenlernen möchte.
Wenn danach trotzdem Menschen liken, deren Lebensplanung offensichtlich nicht zu den Angaben im Profil passt, wird aus Dating schnell Datenbereinigung.
Ein Profil lesen wäre manchmal die effizienteste Premium-Funktion.
Spätestens wenn ich merke, dass ein Abend mit wenig Likes meine Stimmung verändert, würde ich die App eine Zeit lang löschen.
Nicht weil Matchzahlen völlig bedeutungslos wären.
Aber ich möchte ungern, dass ein kleiner Zähler auf dem Handy darüber entscheidet, wie attraktiv ich mich an diesem Tag finde.
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