Bei KI finde ich gerade weniger interessant, ob sie „alles verändern“ wird, sondern wie schnell sie in völlig normale Dinge rutscht.
Suche, Übersetzungen, Fotos, Kundenservice, Office-Programme.
Vor ein paar Jahren hätte ich bei „künstliche Intelligenz“ an Forschung gedacht.
Heute denke ich teilweise an den Button, den ich aus Versehen in irgendeiner App gedrückt habe.
Wahrscheinlich ist genau das die größere Veränderung: dass es irgendwann gar nicht mehr besonders futuristisch wirkt.
Bei KI-Projekten klingt die Modellwahl oft nach dem großen technischen Thema. In der Praxis können Datenaufbereitung, Cloud-Infrastruktur und die Integration in bestehende Systeme mindestens genauso viel Arbeit erzeugen. Der Chatbot ist dann der sichtbare Teil; darunter wohnt der normale IT-Aufwand weiter.
„Benutzt du KI?“
Kommt darauf an, was zählt.
Übersetzung, automatische Bildbearbeitung, Suche, Transkription, Empfehlungen – KI kann inzwischen irgendwo im Produkt stecken, ohne dass jemand dafür einen Chatbot geöffnet hat.
Die Ja-Nein-Frage ist langsam schwieriger als früher.
KI wird meistens hilfreicher, wenn sie mehr Kontext bekommt.
Genau dort beginnt aber die interessante Grenze: Welche Dokumente, Kundendaten, internen Informationen oder persönlichen Details möchte man dafür überhaupt weitergeben?
Mehr Kontext verbessert nicht automatisch jede andere Entscheidung gleich mit.
Ein Modell kann in Benchmarks sehr stark sein und bei der einen eigenen Aufgabe trotzdem unpraktisch wirken. Geschwindigkeit, Sprache, Kosten, Kontext, Fehlerarten und Integration zählen im echten Workflow ebenfalls. „Bestes Modell“ ist ohne konkrete Aufgabe ungefähr so präzise wie „bestes Fahrzeug“.
Bei KI finde ich den Unterschied zwischen beeindruckend und komplett daneben manchmal erstaunlich klein.
Ich kann mir einen komplizierten Begriff erklären lassen und denke: wow, das hätte ich vor ein paar Jahren nicht erwartet.
Zehn Minuten später bitte ich dasselbe System, eine Liste nach drei einfachen Kriterien zu sortieren, und irgendeines davon wird einfach ignoriert.
Vielleicht ist genau das der Zustand gerade: ziemlich mächtig und gleichzeitig noch oft ein bisschen komisch.
Normale Software ändert sich nach einem Update sichtbar: neue Version, neue Funktion, neuer Button. Bei KI kann sich plötzlich auch verändern, wie dieselbe Frage beantwortet wird. Ein Werkzeug kann sich dadurch anders anfühlen, obwohl der eigene Workflow exakt gleich geblieben ist.
Ich benutze KI gern, um schnell einen Einstieg in ein Thema zu bekommen.
Wenn eine konkrete Zahl, Regel oder aktuelle Information wichtig ist, möchte ich danach trotzdem wissen, woher sie kommt.
Eine schnelle Antwort und eine überprüfbare Quelle lösen für mich zwei verschiedene Probleme.
Bei wichtigen Entscheidungen würde ich KI gern als zusätzliche Perspektive benutzen, aber ungern als Stelle, an die Verantwortung ausgelagert wird. „Die KI hat es so vorgeschlagen“ beantwortet für mich noch nicht die Frage, wer das Ergebnis geprüft und entschieden hat.
Unter „KI“ können heute ziemlich verschiedene Dinge gemeint sein.
Ein Empfehlungssystem, Spracherkennung, Bilderzeugung und ein großer Sprachassistent haben nicht automatisch dieselben Stärken, Risiken oder Fehler.
Manche Diskussion über KI wäre wahrscheinlich leichter, wenn zuerst geklärt würde, über welche davon gesprochen wird.
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