Beim nächsten Umzug würde ich eine Kiste nur für die erste Nacht packen: Bettwäsche, Handtuch, Zahnbürste, Ladekabel, Toilettenpapier, etwas zu trinken. Um 23 Uhr möchte ich nicht herausfinden, welcher von 24 Kartons mit „Bad/Küche/Sonstiges“ eigentlich gemeint war.
Eine Wohnung wird wahrscheinlich nicht in dem Moment zum Zuhause, in dem der letzte Karton verschwunden ist.
Eher nach dem fünften Kaffee am selben Platz, dem ersten verregneten Sonntag, dem ersten Besuch und dem ersten Abend, an dem man nicht mehr darüber nachdenkt, dass alles neu ist.
Zuhause ist vielleicht hauptsächlich Wiederholung.
Am ersten Abend muss nicht die komplette Wohnung fertig sein. Bett benutzbar, Licht irgendwo, Handy geladen, Wasser erreichbar. Zwanzig geschlossene Kartons sehen deutlich weniger bedrohlich aus, sobald wenigstens eine kleine Ecke schon funktioniert.
Erste Nacht in der neuen Wohnung.
Bett aufgebaut, aber fast alles andere noch in Kartons.
Kein Vorhang.
WLAN natürlich noch nicht.
Man liegt da und jedes Geräusch im Haus ist neu.
Irgendwie fühlt sich die Wohnung in dieser Nacht gleichzeitig schon nach Zuhause und überhaupt noch nicht nach Zuhause an.
Eine neue Wohnung fühlt sich am Anfang manchmal fast wie eine Ferienwohnung an, in der zufällig alle eigenen Sachen stehen.
Der erste Besuch verändert erstaunlich viel.
Jemand stellt seine Schuhe an die Tür, sitzt am Tisch und fragt nach einem Glas Wasser – und plötzlich beginnt der Raum eine Geschichte zu bekommen.
Bevor Kartons jede Wand verdecken, lohnt sich kurz die langweilige Dokumentationsrunde: Zählerstände, vorhandene Schäden und ein paar Fotos. Die erste Nacht wird dadurch nicht gemütlicher. Der spätere Streit darüber, ob der Kratzer schon da war, möglicherweise schon.
Meine erste Nacht nach dem Umzug bestand aus Matratze auf dem Boden, Pizza aus dem Karton und der Erkenntnis, dass ich keine Lampe fürs Schlafzimmer hatte.
Ich habe trotzdem ewig wach gelegen und mich gefreut.
Am nächsten Morgen sah alles wieder hauptsächlich nach Arbeit aus.
In der ersten Nacht merkt man, wie viel Navigation zu Hause normalerweise automatisch passiert.
Halb schlafend Richtung Bad laufen, falsche Tür nehmen, irgendwo steht noch ein Karton.
Die Wohnung gehört einem schon. Das Muskelgedächtnis ist offenbar noch nicht mit umgezogen.
Am Umzugstag sehe ich eine Wohnung hauptsächlich als Liste von Aufgaben.
Kisten hierhin, Tisch aufbauen, Müll runterbringen.
Am ersten Morgen ist zum ersten Mal nichts unterwegs. Dann merkt man, wie das Licht ins Zimmer fällt, was man vom Fenster sieht und wie sich der Ort eigentlich anfühlt, wenn niemand gerade etwas trägt.
Am Besichtigungstag hört man Makler, Schritte und die eigenen Fragen. In der ersten Nacht hört man zum ersten Mal das echte Haus: Aufzug, Haustür, Straße, Heizung, irgendein Rohr. Eine Wohnung hat nachts plötzlich eine Tonspur, die im Exposé komplett fehlte.
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