Samstag um 19:40 fällt mir zuverlässig etwas ein, das bis Montag gebraucht wird. Sonntags geschlossene Läden haben mir vor allem eine Fähigkeit beigebracht: kurz vor dem Wochenende tatsächlich darüber nachzudenken, was zu Hause fehlt.
„Dann kauf halt Samstag ein“ funktioniert am besten für Menschen, die Samstag frei haben. Wer selbst im Einzelhandel, in der Pflege, Gastronomie oder einem anderen Wochenendjob arbeitet, erlebt denselben geschützten Sonntag mit einer ziemlich anderen Einkaufsmathematik.
Sonntag in Deutschland heißt nicht automatisch: jede Verkaufstür verriegelt. Bahnhof, Flughafen, bestimmte Bäckereien, Tankstelle oder andere gesetzliche Ausnahmen können anders funktionieren. Das allgemeine Prinzip ist ziemlich klar. Die konkrete Einkaufsmöglichkeit gelegentlich weniger.
Wenn ich mit Besuchern unterwegs bin, die sonntags offene Supermärkte gewohnt sind, merkt man erst, wie wenig selbstverständlich die deutsche Regel international ist. „Wir kaufen das morgen“ klingt für mich normal. Für andere kann es die erste kulturelle Überraschung nach dem Frühstück sein.
Dass sonntags viele Geschäfte geschlossen sind, ist nicht nur Gewohnheit. Über Artikel 140 des Grundgesetzes gehört auch der verfassungsrechtliche Schutz des Sonntags als Tag der Arbeitsruhe zum Rahmen. Wie einzelne Verkaufsstellen und Ausnahmen geregelt sind, wird dadurch aber nicht für jeden Laden in ganz Deutschland identisch beantwortet.
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