Vier Gesprächsrunden können natürlich bedeuten, dass ein Unternehmen sehr sorgfältig auswählt.
Sie können aber auch bedeuten, dass intern niemand allein entscheiden darf.
Für Bewerber sehen beide Varianten erst mal erstaunlich ähnlich aus.
Runde 1: HR.
Runde 2: Team.
Runde 3: Abteilungsleitung.
Runde 4: Geschäftsführung.
Gehaltsrahmen: „Das klären wir später.“
Ich habe nichts gegen zwei oder auch drei Gespräche, wenn jedes davon wirklich etwas Neues klärt.
Merkwürdig wird es, wenn man vier verschiedenen Personen denselben Lebenslauf erklärt und jedes Gespräch wieder bei „Erzählen Sie doch mal etwas über sich“ beginnt.
Dann prüft nicht nur die Firma den Bewerber. Der Prozess erklärt auch ziemlich viel über die Firma.
Vier Interviews à eine Stunde sind nicht nur vier Stunden.
Vorbereitung, Anfahrt, Warten, Termine im bestehenden Job verschieben und vielleicht noch eine Aufgabe dazwischen gehören ebenfalls dazu.
Bewerbungsprozesse wirken oft so, als koste zusätzliche Sicherheit nur das Unternehmen Zeit.
Drei Gespräche geschafft.
Jetzt bitte noch eine Präsentation vorbereiten.
Dauer der Aufgabe laut Firma: „Das sollte nicht länger als ein paar Stunden dauern.“
Das ist ungefähr der Punkt, an dem aus einem Bewerbungsprozess langsam ein unbezahltes Nebenprojekt wird.
Vier Gespräche müssen zeitlich nicht besonders viel sein.
Zehn Tage bis Runde zwei, eine Woche bis Runde drei und danach noch einmal „wir melden uns zeitnah“ verändern die Rechnung.
Aus vier Stunden Gespräch kann so problemlos ein Bewerbungsprozess werden, der einen ganzen Monat im Kopf bleibt.
Wenn Runde zwei wieder bei Motivation, Lebenslauf und „Warum möchten Sie zu uns?“ beginnt, stellt sich irgendwann eine andere Frage:
Was ist eigentlich aus den Notizen aus Runde eins geworden?
Mehr Interviewer bringen wenig zusätzlichen Erkenntnisgewinn, wenn jeder das Gespräch wieder bei Seite eins startet.
Nach einem kurzen Erstgespräch könnte ich mit einer Standardabsage gut leben.
Nach vier Gesprächen, mehreren Stunden Vorbereitung und vielleicht einer Aufgabe würde ich mir zumindest einen konkreten Satz wünschen, warum es am Ende nicht gepasst hat.
Je persönlicher der Prozess wird, desto seltsamer wirkt ein komplett unpersönliches Ende.
Runde eins bestanden.
Runde zwei nächste Woche.
Runde drei vielleicht danach.
Finale Entscheidung bald.
Andere Firma:
„Hier ist der Vertrag.“
Auch Kandidaten haben manchmal mehrere Bewerbungsprozesse gleichzeitig.
Eine dritte Gesprächsrunde ist nicht automatisch Unsinn.
Wenn man dort zum Beispiel den zukünftigen direkten Vorgesetzten oder das Team kennenlernt, kann sie für beide Seiten neue Information liefern.
Die Zahl der Runden ist weniger interessant als die Frage, ob jede davon einen eigenen Grund hat.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.