Zwei Familien an Weihnachten zu besuchen klingt einfach, solange beide zwanzig Minuten entfernt wohnen.
Mit vier Stunden Fahrt dazwischen wird aus „wir sehen beide“ schnell Anreise, Übernachtung, nächster Zug und Rückfahrt.
Irgendwann verbringt man einen erstaunlich großen Teil der Feiertage damit, zwischen den Feiertagen unterwegs zu sein.
Ich verstehe inzwischen gut, warum Paare irgendwann sagen: Heiligabend bleibt bei uns zu Hause.
Nicht weil die Eltern plötzlich unwichtig sind.
Irgendwann möchte man vielleicht auch eigene Traditionen haben, statt jedes Jahr nur zwei bereits bestehende Weihnachtspläne möglichst fair zusammenzusetzen.
„Ein Jahr deine Familie, ein Jahr meine“ ist organisatorisch wunderbar klar.
Emotional kann es trotzdem kompliziert werden, wenn auf einer Seite zwanzig Leute feiern und auf der anderen ein Elternteil sonst allein wäre.
Gleiche Regeln produzieren nicht automatisch jedes Jahr dieselbe Situation.
Einmal haben wir versucht, an einem Feiertag beide Familien mitzunehmen.
Beim ersten Essen schaut man irgendwann auf die Uhr, weil die zweite Familie wartet. Beim zweiten kommt man später als geplant an.
Ich fand es fair verteilt und gleichzeitig ziemlich unweihnachtlich.
Weihnachten wird anstrengend, wenn dieselbe Grundsatzfrage jedes Jahr im Dezember wieder komplett neu verhandelt wird.
Abwechseln, Feiertage aufteilen, getrennt feiern oder einen Tag selbst behalten – fast jede Regel kann funktionieren, wenn alle früh wissen, womit sie rechnen können.
Planbarkeit löst nicht jede Enttäuschung. Sie verhindert wenigstens Überraschungen.
„Wir müssen nur zwei Familien koordinieren“ funktioniert ungefähr bis Geschwister ebenfalls Partner, Kinder und eigene Pläne haben. Plötzlich hängt der 26. Dezember an vier weiteren Haushalten. Weihnachten skaliert organisatorisch erstaunlich schnell.
Ich würde Weihnachten ungern mit der Stoppuhr fair machen. Vier Stunden bei meiner Familie und vier Stunden bei der anderen können mathematisch perfekt und praktisch ziemlich stressig sein. Vielleicht darf ein Jahr mehr hier und das nächste mehr dort stattfinden, solange sich auf Dauer niemand selbstverständlich als zweite Wahl fühlt.
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