Früher hat man geschrieben: „Bist du heute Abend da?“
Heute schicken wir uns ernsthaft drei mögliche Samstage im nächsten Monat.
Das klingt trauriger, als es sich für mich anfühlt. Wenn wir uns dann sehen, ist eigentlich alles wie früher.
Nur die Terminfindung davor könnte inzwischen auch von Outlook erledigt werden.
Wenn jeder Freitag- und Samstagabend einen Monat lang belegt ist, muss Freundschaft nicht bis zum nächsten freien Wochenende warten. Frühstück, Mittagspause oder eine Stunde Spaziergang funktionieren manchmal erstaunlich gut. Nicht jedes Treffen braucht automatisch den wichtigsten Zeitslot der Woche.
Volle Kalender erklären, warum Treffen schwierig zu organisieren sind. Sie erklären weniger gut, warum immer dieselbe Person die drei Terminvorschläge schicken muss. Freundschaft darf Planung brauchen. Die Initiative sollte nur nicht dauerhaft auf einer Seite wohnen.
„Wir müssen echt mal wieder was machen.“
„Ja unbedingt.“
„Wann kannst du?“
„Also diese Woche gar nicht, nächste bin ich weg, danach eventuell Mittwoch.“
erwachsen sein ist organisatorisch wirklich unnötig kompliziert.
„Jeden ersten Donnerstag im Monat“ klingt für Freundschaft erst mal erstaunlich offiziell.
Praktisch hat es einen großen Vorteil: Niemand muss alle vier Wochen wieder sechs Nachrichten schreiben, um herauszufinden, wann alle können.
Manchmal macht ein bisschen Routine spontane Gespräche überhaupt erst möglich.
Ein voller Kalender kann aus lauter schönen Dingen bestehen und sich trotzdem irgendwann zu voll anfühlen.
Arbeit, Sport, Freunde, Familie, Geburtstage – alles einzeln freiwillig.
Vielleicht gehört zu guter Freizeitplanung auch, gelegentlich bewusst nichts einzutragen.
Ich finde gar nicht schlimm, dass Freunde irgendwann im Kalender stehen.
Eigentlich bedeutet es ja auch: Wir haben beide genug anderes im Leben und nehmen uns trotzdem bewusst Zeit füreinander.
Komisch wird es für mich erst, wenn man dreimal verschiebt und beim vierten Mal wieder sagt: „Wir müssen unbedingt mal.“
Irgendwann ist ein voller Kalender vielleicht nicht mehr das Problem, sondern die Priorität.
Ein Treffen sechs Wochen vorher einzutragen ist eigentlich kein Problem.
Merkwürdig wird es erst, wenn der Termin sechs Wochen im Kalender steht und zwei Tage vorher trotzdem die Frage kommt, ob man ihn nicht noch einmal verschieben könnte.
Planung hilft nur, wenn der Termin am Ende auch einer ist.
Ich fand es früher irgendwie traurig, Freunde drei Wochen im Voraus in den Kalender einzutragen. Inzwischen sehe ich auch die andere Seite: Zwischen Arbeit, Partner, Sport und anderen Verpflichtungen wird genau diese Zeit bewusst freigehalten. Spontanität ist schön. Ein reservierter Samstag kann ebenfalls ziemlich viel Wertschätzung sein.
Einen guten Freund sehe ich manchmal einen Monat nicht.
Wenn wir uns dann treffen, ist nach zehn Minuten eigentlich alles normal.
Was mich mehr nervt, ist der Weg dahin: „Wie sieht nächste Woche aus?“ – „Schlecht, die danach?“ – „Da bin ich weg.“
Irgendwann steht ein Bier am Donnerstag in drei Wochen im Kalender.
Funktioniert. Fühlt sich nur manchmal ein bisschen absurd an.
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