Mit 20: Der Stuhl reicht doch.
Mit 30: Wie viele Stunden am Tag sitze ich eigentlich auf diesem Ding?
Ein Hobby muss nicht zum Nebenbusiness werden.
Man darf laufen, fotografieren, zocken, malen oder irgendetwas sammeln, ohne darin besser als andere zu werden oder Geld damit zu verdienen.
Freizeit ist vielleicht gerade deshalb Freizeit, weil sie keinen Businessplan braucht.
Eine Sache kann günstig sein und trotzdem teuer werden, wenn sie jeden Tag eine Stunde kostet.
Irgendwann rechnet man Arbeitsweg, Termine, Erledigungen und Verpflichtungen nicht mehr nur in Euro, sondern auch in Abende und Wochenenden.
Mit 30 können zwei gleichaltrige Menschen komplett unterschiedliche Leben führen.
Einer hat zwei Kinder und renoviert ein Haus. Der andere schreibt seine Masterarbeit und wohnt in einer WG. Ein dritter lebt allein, verdient gut und weiß trotzdem nicht, was er in fünf Jahren machen will.
Alter ist überraschend schlecht darin, Lebensläufe zu synchronisieren.
Als Kind stellt man sich Erwachsene leicht als Menschen vor, die irgendwann fertig werden.
Mit 30 merkt man eher: Die meisten kennen nur ihre eigenen Wege inzwischen ein bisschen besser.
Man hat einen Arzt, einen Lieblingssupermarkt, ein paar Routinen und weiß bei manchen Problemen, wen man anruft.
Vielleicht fühlt sich genau das irgendwann wie Erwachsensein an.
Nicht jedes Jahr muss sichtbar größer werden als das davor. Eine gute Wohnung halten, Freundschaften pflegen, Arbeit ordentlich machen, gesundes Chaos halbwegs organisieren und finanziell nicht rückwärtsgehen kann bereits ziemlich viel sein. Fortschritt sieht von außen manchmal einfach wie Stabilität aus.
Mit 30 ist man erwachsen.
Deshalb weiß man natürlich sofort:
wie eine Nebenkostenabrechnung funktioniert,
welche Versicherung man wirklich braucht
und warum die Waschmaschine dieses Geräusch macht.
Oder man googelt es eben wie alle anderen.
Als Kind wirken Eltern wie Menschen, die einfach dauerhaft erwachsen sind.
Irgendwann hilft man ihnen bei einem Formular, fährt sie zu einem Termin oder merkt, dass sie dieselbe Geschichte zum dritten Mal erzählen.
Erwachsenwerden heißt offenbar auch, langsam zu verstehen, dass die eigenen Eltern nicht stehen bleiben.
Ich habe lange gedacht, ein freier Freitagabend ohne Plan sei irgendwie eine verpasste Gelegenheit.
Inzwischen kann ein leerer Kalender selbst der Plan sein.
Nicht alles, was nicht stattgefunden hat, wurde verpasst.
Mit 30 kann sich ein Berufswechsel merkwürdig spät anfühlen, weil andere scheinbar schon zehn Jahre auf derselben Spur unterwegs sind.
Dann rechnet man kurz nach und merkt, wie viele Arbeitsjahre wahrscheinlich noch vor einem liegen.
Ich würde heute lieber mit 30 neu anfangen als mit 40 feststellen, dass ich es zehn Jahre lang nur deshalb nicht getan habe, weil 30 sich damals alt angefühlt hat.
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