Social Media löschen.
Dann fällt einem ein:
Rezept gespeichert.
Restaurant gespeichert.
Reiseziel gespeichert.
Irgendein Tutorial ebenfalls.
Irgendwann wurde der Feed offenbar nebenbei auch zum schlecht sortierten persönlichen Archiv.
TikTok gelöscht.
Eine Woche später mehr Instagram Reels geschaut.
Instagram gelöscht.
Plötzlich deutlich mehr YouTube Shorts.
Vielleicht waren die Apps nicht das einzige Problem.
Ich habe jetzt zumindest aufgehört, alle paar Wochen feierlich eine neue App zu löschen, als hätte ich damit meine Persönlichkeit repariert.
Ich habe irgendwann gemerkt, dass Social Media im Browser ziemlich gut funktioniert, wenn man es absichtlich etwas schlechter haben will.
Nachsehen, ob ein bestimmter Account etwas gepostet hat: geht.
Zwanzig Minuten später aus Versehen beim 47. Reel landen: deutlich unbequemer.
Für mich ist genau das der Vorteil.
Es macht einen Unterschied, ob man Instagram öffnet mit „ich will nachsehen, wann dieses Konzert ist“ oder einfach nur Instagram öffnet.
Die erste Handlung hat irgendwann ein Ende.
Die zweite bekommt eins vom Akku.
Nach dem Löschen von Instagram habe ich die ersten Tage mehrmals automatisch auf die Stelle getippt, an der vorher das Icon war.
Da war dann nur noch meine Wetter-App.
Ich habe in dieser Woche ungewöhnlich oft gewusst, ob es morgen regnet.
Irgendwann hört dieser Reflex tatsächlich auf. Das fand ich fast interessanter als alles, was ich vorher dort gesehen habe.
Die App vom Handy zu löschen fällt mir leicht.
Den ganzen Account zu löschen fühlt sich viel endgültiger an, weil dort Jahre an Nachrichten, Kontakten und alten Fotos hängen.
Vielleicht ist genau deshalb „weniger benutzen“ für mich realistischer als jedes Mal einen kompletten digitalen Schlussstrich zu ziehen.
Eine App vom Handy zu löschen ist etwas anderes als den Account zu löschen.
Fotos, alte Nachrichten, Kontakte und Erinnerungen können weiterhin wichtig sein, auch wenn der tägliche Feed es gerade nicht ist.
Vielleicht muss digitaler Abstand nicht immer digitaler Abriss sein.
Tageslimit erreicht.
„Für heute ignorieren.“
Morgen:
Tageslimit erreicht.
„Für heute ignorieren.“
Sehr strenge Regel.
Besonders gegenüber anderen Menschen.
App wieder installiert wegen einer Veranstaltung.
Veranstaltung gefunden.
Noch kurz Nachrichten gelesen.
Noch kurz Reels.
Willkommen zurück.
Instagram war bei mir schon mehrmals vom Handy runter und ein paar Wochen später wieder drauf.
Meistens passiert dazwischen nichts Dramatisches. Erst ist es angenehm ruhig, dann schickt jemand einen Link oder ich will bei einem Laden etwas nachsehen.
Mein eigentliches Problem ist auch nicht das Installieren. Es ist, dass aus „kurz gucken“ bei mir ziemlich zuverlässig mehr Zeit wird.
Deshalb habe ich mittlerweile eher Benachrichtigungen aus und die App nicht mehr direkt auf dem Homescreen.
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