Es macht einen Unterschied, ob man Instagram öffnet mit „ich will nachsehen, wann dieses Konzert ist“ oder einfach nur Instagram öffnet.
Die erste Handlung hat irgendwann ein Ende.
Die zweite bekommt eins vom Akku.
Instagram war bei mir schon mehrmals vom Handy runter und ein paar Wochen später wieder drauf.
Meistens passiert dazwischen nichts Dramatisches. Erst ist es angenehm ruhig, dann schickt jemand einen Link oder ich will bei einem Laden etwas nachsehen.
Mein eigentliches Problem ist auch nicht das Installieren. Es ist, dass aus „kurz gucken“ bei mir ziemlich zuverlässig mehr Zeit wird.
Deshalb habe ich mittlerweile eher Benachrichtigungen aus und die App nicht mehr direkt auf dem Homescreen.
Nach einer längeren Social-Media-Pause fand ich interessant, welche Kontakte trotzdem geblieben sind.
Einige Leute schreiben einfach anderswo weiter.
Andere existierten offenbar hauptsächlich darin, dass wir gegenseitig Stories gesehen haben.
Beides ist okay. Es sind nur unterschiedliche Arten von Nähe.
Die App vom Handy zu löschen fällt mir leicht.
Den ganzen Account zu löschen fühlt sich viel endgültiger an, weil dort Jahre an Nachrichten, Kontakten und alten Fotos hängen.
Vielleicht ist genau deshalb „weniger benutzen“ für mich realistischer als jedes Mal einen kompletten digitalen Schlussstrich zu ziehen.
Komplett löschen klingt nach einer klaren Lösung, aber vielleicht ist die interessantere Frage, ob eine App auch langweilig werden kann.
Keine Benachrichtigungen, kein automatisches Öffnen, nur noch gezielt etwas nachsehen.
Ein Werkzeug muss nicht verschwinden, nur weil es vorher zu viel Aufmerksamkeit bekommen hat.
Ich lösche Social-Media-Apps inzwischen nicht mehr komplett.
Ich habe sie einfach vom Homescreen genommen und Benachrichtigungen aus.
Klingt nach fast nichts, aber offenbar reicht bei mir schon der zusätzliche Schritt über die App-Suche, damit ich mich manchmal frage: Wollte ich da gerade wirklich rein?
Erschreckend, wie oft die Antwort nein ist.
Manchmal ist nicht die komplette Plattform das Problem, sondern der eigene Feed.
Accounts entfolgen, Themen stummschalten, Benachrichtigungen reduzieren.
Wenn fünf Prozent der Inhalte nerven, muss die Lösung nicht immer darin bestehen, hundert Prozent der App zu löschen.
Eine App vom Handy zu löschen ist etwas anderes als den Account zu löschen.
Fotos, alte Nachrichten, Kontakte und Erinnerungen können weiterhin wichtig sein, auch wenn der tägliche Feed es gerade nicht ist.
Vielleicht muss digitaler Abstand nicht immer digitaler Abriss sein.
Ich habe irgendwann gemerkt, dass Social Media im Browser ziemlich gut funktioniert, wenn man es absichtlich etwas schlechter haben will.
Nachsehen, ob ein bestimmter Account etwas gepostet hat: geht.
Zwanzig Minuten später aus Versehen beim 47. Reel landen: deutlich unbequemer.
Für mich ist genau das der Vorteil.
Social Media löschen.
Dann fällt einem ein:
Rezept gespeichert.
Restaurant gespeichert.
Reiseziel gespeichert.
Irgendein Tutorial ebenfalls.
Irgendwann wurde der Feed offenbar nebenbei auch zum schlecht sortierten persönlichen Archiv.
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