Bei meinem ersten Mietvertrag hätte mir eine Schulstunde darüber mehr gebracht als manches, an das ich mich heute nicht mehr erinnere. Nicht „Wie finde ich eine Wohnung?“, sondern ganz banal: Welche Kosten stehen drin, welche Fristen gelten und was unterschreibe ich da eigentlich für die nächsten Jahre?
Das erste Gehaltsangebot kommt als Bruttojahreszahl. Auf dem Konto landet später Netto pro Monat. Dazwischen existiert eine Gehaltsabrechnung mit mehreren Positionen, die man plötzlich selbstverständlich verstehen soll. Prozentrechnung konnte man vorher immerhin schon.
Vertrag abgeschlossen.
Jetzt möchte man ihn nicht mehr.
Plötzlich existieren Wörter wie Laufzeit, Kündigungsfrist, Widerruf und Verlängerung.
Erwachsenenleben ist stellenweise einfach ein Vokabeltest, auf den niemand angekündigt hat.
Ich dachte bei Budget lange hauptsächlich an Miete, Essen und Dinge, die jeden Monat passieren. Dann kamen Versicherungsbeitrag, Reparatur, Reise, neue Brille und irgendeine Jahresrechnung. Geldplanung wurde für mich erst realistischer, als ich verstanden habe, dass nicht jeder Monat so freundlich ist, nur monatliche Kosten zu enthalten.
Jahrelang wird bewertet, wie gut man eine Aufgabe löst. Irgendwann soll man plötzlich selbst sagen, was die eigene Arbeit wert ist, welche Bedingungen wichtig sind und ob ein Angebot passt. Gehaltsverhandlung ist eine merkwürdige erste Prüfung nach der Schule, bei der niemand mehr die Musterlösung verteilt.
„Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit …“ lernt man irgendwann nebenbei, weil plötzlich Vermieter, Versicherung, Arbeitgeber oder Behörde eine klare schriftliche Nachricht brauchen. Zwischen Gedichtanalyse und Erwachsenwerden hätte eine Stunde „Wie schreibe ich eine sachliche Mail, die tatsächlich etwas erledigt?“ erstaunlich gut gepasst.
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