Unternehmenskultur entsteht vermutlich nicht dadurch, dass möglichst viele Zugangskarten am selben Tag benutzt werden.
Wenn alle morgens ankommen, acht Stunden in ihren Kalendern verschwinden und danach wieder nach Hause fahren, war das zwar Präsenz. Besonders viel Gemeinschaft muss dabei trotzdem nicht passiert sein.
Ich habe nichts gegen zwei Bürotage.
Ich habe etwas gegen Dienstag und Donnerstag, wenn Dienstag niemand aus meinem Team da ist und Donnerstag alle Räume für Calls belegt sind.
Wenn schon Anwesenheit, dann wäre ein bisschen Koordination ganz nett.
Mein Bürotag beginnt eigentlich am Vorabend.
Früher schlafen, Tasche packen, überlegen ob Laptop-Ladekabel da ist, morgens Zug erwischen.
Homeoffice beginnt damit, dass ich den Laptop aufmache.
Natürlich kann Büro Vorteile haben. Aber wenn jemand sagt „ist doch nur ein Tag“, denke ich immer: Für den Kalender vielleicht.
Ein Job mit einem Bürotag pro Monat kann für jemanden 150 Kilometer entfernt noch realistisch sein.
Vier Tage pro Woche eher nicht.
Mehr Präsenz verändert deshalb nicht nur den Alltag bestehender Mitarbeiter, sondern auch die Frage, aus welchem geografischen Radius sich Menschen überhaupt sinnvoll bewerben können.
Ins Büro fahren, um dort Kopfhörer aufzusetzen, bleibt eines meiner liebsten modernen Arbeitskonzepte.
Der interessanteste Büroeffekt passiert manchmal gar nicht im eigenen Team.
Man trifft jemanden aus einer anderen Abteilung in der Küche, hört nebenbei von einem Projekt oder lernt einen Menschen kennen, mit dem sonst nie ein Meeting geplant worden wäre.
Solche Zufälle sind ein echtes Argument fürs Büro. Sie entstehen nur nicht automatisch dadurch, dass möglichst viele Zugangskarten benutzt werden.
Ich gehe sogar gern ab und zu ins Büro. Manche Sachen klärt man dort tatsächlich schneller, Mittagessen mit Kollegen ist nett und nach drei Tagen allein zu Hause freue ich mich manchmal auch auf Menschen.
Was ich nicht verstehe, ist, daraus eine Pflicht zu machen.
Wenn ich morgens 45 Minuten hinfahre, im Büro acht Stunden fast nur in Teams-Calls sitze und danach 45 Minuten zurückfahre, hat niemand besser zusammengearbeitet. Ich war einfach nur woanders.
Montag: halbleeres Büro.
Dienstag: alle da, keine Meetingräume.
Mittwoch: alle da, Kantine voll.
Freitag: wieder Platz ohne Ende.
Eine Präsenzregel kann erstaunlich effizient genau die Tage erzeugen, an denen das Büro am schlechtesten funktioniert.
Mit einem festen Bürotag hätte ich deutlich weniger Probleme, wenn das Team denselben Tag nimmt.
Dann kann man Workshops, schwierige Abstimmungen und Mittagessen bewusst darauf legen. Präsenz ergibt für mich mehr Sinn, wenn tatsächlich jemand da ist, mit dem man präsent sein soll.
Ich bin im ersten Jahr fast nur im Homeoffice gewesen und fand das super. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich von manchen Kollegen zwar wusste, welches Ticket sie gerade bearbeiten, aber nicht, wie sie eigentlich so sind.
Seitdem gehe ich freiwillig ein- bis zweimal die Woche hin.
Für mich ist der Unterschied wirklich „freiwillig“. Wenn an einem Tag niemand aus meinem Team da ist und ich trotzdem erscheinen soll, wird aus dem sozialen Vorteil ziemlich schnell ein Arbeitsweg.
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